Montag 17. bis Mittwoch 19. März 2025
Montag. Die Fahrt von Schwerin nach Kiel beginnt mit einer Verspätung des RE 1 von neun Minuten. Schuld daran ist – wie so oft bei Regionalzügen – »die Vorfahrt eines anderen Zuges«. Mein geplanter Umstieg in Bad Kleinen (eine Station weiter) mit Umstiegszeit von fünf Minuten erscheint fraglich. Und doch, es klappt, der RE 4 wartet am Gleis gegenüber. Auch in Lübeck erreiche ich problemlos den leider ziemlich vollen RE 83 zu meinem Zielort. Die Strecke am Plöner See entlang mit in der Sonne glitzerndem Wasser ist ein Highlight.
Und – geschafft! – um 14.18 Uhr stehe ich im Bahnhof Kiel und bin damit am Ende meines Reiseprojekts angekommen. Mein Hotel liegt direkt daneben und von meinem Zimmer blicke ich auf den Fährhafen.
Kiel ist die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins und mit etwa 250.000 Einwohnerinnen und Einwohnern dessen bevölkerungsreichste Stadt. In Kiel war ich als Kind und als junge Frau jeweils zu einem Kurzbesuch. Die Erinnerung daran ist komplett verblasst. Das mag auch daran liegen, dass die Stadt – abgesehen vom Hafen – wenig bietet, was sich dem Auge einprägt.
Ich gehe den Rundweg entlang, den der überaus freundliche junge Mann in der Tourist-Info mir empfohlen hat. Auch in der »Altstadt« fehlt Architektur, die dem Namen gerecht werden könnte, – fast. Das im Plan verzeichnete Kloster ist einen Abstecher wert. Und siehe da, ich lande vor einem echten Kleinod, eingebettet in einen Garten.
Ein Plakat verrät mir, dass es im Inneren eine Ausstellung gibt. Sie ist geöffnet und damit auch das Klostergewölbe. Und ich werde beim Eintreten freudig begrüßt. Gestern sei ihre Ausstellung eröffnet worden und der Laden habe gebrummt, erzählt die Künstlerin, die, unterstützt von einer Freundin, heute dafür sorgt, dass ihre Bilder für Publikum zugänglich sind. Rasch entwickelt sich ein Gespräch, es gibt etliche Anknüpfungspunkte. So erfahre ich, dass Birgit Krahe, die Malerin, einen Campingwagen dort stehen hat, wo ich als siebenjähriges Kind meinen ersten Familienurlaub verbracht habe, in Surendorf, einem kleinen Ort an der Ostsee. Und der Enkel von Marion Hoschatt studiert in Mannheim BWL. Die Kielerinnen kennen sich aus ihrer Zeit als Krankenschwestern in einem Kieler Krankenhaus. Und ja, sie sind bereit, sich porträtieren zu lassen. Als Hintergrund wähle ich zwei der Kunstwerke aus, die mir besonders gut gefallen und habe eine wunderbare »Begegnung des Tages« im Kasten.
Überhaupt fällt mir die Freundlichkeit der Leute auf, die mir in Kiel begegnen. Vor der St.-Nikolai-Kirche komme ich mit einer Frau ins Plaudern, die Dozentin für Fotografie ist, und einiges über ihre Stadt erzählen kann. Als ich im Schlossgarten vergeblich nach dem Schloss suche, kommt mir ein Ehepaar mit Hund entgegen, das mir die Reste zeigt, mich auf eine Skulptur des »Kieler Zaren« aufmerksam macht und sich nach der Situation in Mannheim erkundigt. Und der freundliche Apotheker, bei dem ich ein Mittel gegen meinen Husten erwerbe, der mich zunehmend plagt, empfiehlt mir ein Bistro in der Nähe, in dem ich gut bewirtet werde und so zufrieden meinen Rückweg zum Hotel antreten kann.
Dienstag. Strahlender Sonnenschein und minus zwei Grad Außentemperatur. Und mein Infekt, den ich seit Tagen mit mir herumschleppe, bewegt sich auf den Höhepunkt zu. Nach dem Frühstück – ich bin dort keineswegs die Einzige, die hustet – verlangt der angeschlagene Körper nach Ruhe. Mein innerer Schweinehund empfiehlt, den Tag mit Blick auf den sonnendurchfluteten Kieler Fährhafen im gemütlichen, warmen Zimmer zu verbringen. Aber, es hilft alles nix, Kiel ist Wasser und da muss ich jetzt drauf. Seit gestern fährt die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel (SFK), die die Orte an der Kieler Förde verbindet, wieder häufiger. Sie fährt direkt vor meinem Hotel ab und ist ein Angebot des Nahverkehrs, das ich mit dem Deutschland-Ticket nutzen kann. Bequemer geht es nicht! Das Schiff um 11.50 Uhr schaffe ich. So komme ich unter anderem am Kieler Landtag vorbei und steige am nördlichsten Punkt am Ostseebad Laboe aus. Die Infrastruktur des Dorfs liegt noch im Winterschlaf, ein Strandspaziergang ist möglich. Schon von Weitem zu sehen ist das Marineehrenmal, das 1927 bis 1936 für die im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Marinesoldaten erbaut wurde. 1996 wurde es zur Gedenkstätte an die auf den Meeren gebliebenen Seeleute aller Nationen umgewidmet und mahnt heute eine friedliche Seefahrt auf freien Meeren an.
Mittwoch. Nach zwei Tagen an und auf dem Wasser geht es nach Hause mit all meinen Schätzen. Der RE 7 fährt pünktlich in Kiel ab. Wegen Bauarbeiten heißt es in Pinneberg umsteigen in die Hamburger S-Bahn zum Hauptbahnhof. Zu gerne hätte ich auf der letzten Strecke mein Deutschland-Ticket in vollen Zügen ausgekostet. Aber mein Infekt, der heute seinen Höhepunkt erreicht hat, verlangt Schonung. So ordere ich kurzfristig ein ICE-Ticket von Hamburg nach Mannheim und erspare mir damit viele weitere Umstiege und voraussichtlich viereinhalb Stunden Fahrt. Laut Plan! In Hamburg erfahre ich, dass mein ICE mehr als 20 Minuten Verspätung haben wird und die Zugbindung aufgehoben ist. Nützt nix, es fährt kein anderer früher. Also stehe ich fast eine Dreiviertelstunde auf dem zugigen Bahnhof. Und im Zug wird eine Verspätung bis Mannheim von ca. 50 Minuten angekündigt wegen Umleitung. Die diversen Informationspuzzlestücke zusammengesetzt, ergibt sich folgendes Bild. Südlich von Hamburg ist ein Baum auf die Schienen gestürzt, so dass die Fernzüge in den Süden über Bremen fahren müssen. In Hannover haben wir bereits eine Verspätung von einer Stunde und neun Minuten.
Meine Bahn-App verrät mir unterwegs, wie die Fahrt mit dem D-Ticket verlaufen wäre: Der Regionalzug nach Hannover wäre wegen Oberleitungsschaden nur bis Eschede gekommen. Von dort wäre ein Ersatzbus bis Celle gefahren, wo nach einer Stunde Wartezeit eine Sonderfahrt nach Göttingen erfolgt wäre. Letztlich wäre ich um 00.19 Uhr in Mannheim gelandet.
Mein ICE erreicht Mannheim um 18.45 Uhr. Auf der ganzen Strecke hatten wir über eine Stunde Verspätung. Da der Halt in Frankfurt-Flughafen gecancelt wurde, hat der Zug ein paar Minuten aufgeholt und ich verpasse die Entschädigungszahlung um exakt zwei Minuten.
Nichtsdestotrotz: Dehäm iss dehäm.